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Branchenübergreifend werden in Deutschland aktuell 96.000 IT-Fachkräfte gesucht. Das ergab eine repräsentative Umfrage von mehr als 850 Unternehmen durchgeführt von Bitkom Research (Stand 3.1.2022)

Das ist die zweithöchste Zahl seit Ersterhebung im Jahr 2011. Nur 2019 lag diese mit 124.000 offenen Stellen höher. Die Digitalisierung, oft auch Digitale Transformation genannt, treibt den Bedarf an Software-Spezialisten in die Höhe. System-Administratoren, IT-Projektmanager und weitere IT-Experten wie Data und Big Data Scientists sind besonders gefragt. Die Bereiche Cloud-Computing, Online-Marketing und E-Commerce spielen dabei jeweils eine Schlüsselrolle.

Woher sollen die benötigten IT-Fachkräfte kommen?

Vorhandene Fachkräfte

Drei Viertel der IT-Fachleute offen für einen Jobwechsel. Das aber löst das Problem nicht. Es verschärft nur den Wettbewerb – was durchaus auch positiv aus der Bewerbersicht zu sehen ist – und sorgt für eine Umverteilung.

Studienabgänger

Deutsche Unis bilden jährlich etwa 16,000 Informatiker aus (6,000 Erstabschlüsse an einer Universität und 10,000 an einer Fachhochschule). Etwa 9,500 davon führen Ihr Studium bis zum Masterexamen fort.

„Betrachtet man die Entwicklungen in der Fachwahl von Studierenden, ist fraglich, ob der bereits heute bestehende Mangel an hochqualifizierten IT-Fachkräften in näherer Zukunft überwunden werden kann.“

Zusätzlich problematisch der aktuelle Trend: „Besonders hoch ist der prozentuale Rückgang in den technischen Fächern Elektrotechnik und Informationstechnik (-14 Prozent), Maschinenbau/Verfahrenstechnik (-10 Prozent), Informatik (-5 Prozent). Absolut gab es in der Informatik 39.000 Studienanfänger. Die Abbrecherquote in dem Fach ist jedoch extrem hoch. 

Betrieblicher Ausbildung

Ausbildung zum Fachinformatiker war in 2020 auf Platz 6 der beliebtesten Ausbildungsberufe – Tendenz über die letzten Jahre steigend. Den Bedarf kann es aber nur bis zu einem gewissen Grad helfen, zu decken.

Quereinsteiger

Für aufgeschlossene und interessierte birgt die IT durchaus auch Möglichkeiten zum Quereinstieg. Nahezu alles technische Know-how kann man heute online im Selbststudium erlernen oder sich mit Hilfe von spezialisierten Bootcamps konzentriert erarbeiten. Nicht selten entdecken dabei Betriebswirte, Chemiker und andere ihre Sympathie für die IT. Gute Einstiegsmöglichkeiten in den IT-Bereich stellen beispielsweise Service-Abteilungen dar, da die notwendige fachliche Qualifikation in der Regel schnell zu erlernen ist.

IT-Freiberufler

Kurzfristige Bedarfe mit IT-Freelancern zu decken hat sich in den letzten Jahren als eine zuverlässige Alternative für das Schließen von Personallücken etabliert.

„Insgesamt soll es in Deutschland um die 120.000 IT-Freiberufler geben. Davon gehen das Marktforschungsinstitut Lünendonk & Hossenfelder, der IT-Branchenverband Bitkom und der Bundesverband Informationstechnologie für Selbstständige aus. Es ist eine Schätzung, genaue Zahlen gibt es nicht.“

An der Auslastung der IT-Freiberufler hat die Corona-Situation nichts verändert. So gaben bei einer von GULP durchgeführten Umfrage in Deutschland und der Schweiz über 77% der Befragten an, genügend Projekte finden zu können. Betrachtet man Deutschland alleine beträgt diese Zahl sogar über 85%.

Eine hohe Nachfrage und damit die Auslastung auf der IT-Freelancer Seite haben auch aus der Auftraggeber durchaus ihre Schattenseiten. Auf der einen Seite sehen sich Auftraggeber mit steigenden Tagessätzen als auch mit sinkendem Niveau konfrontiert. Darüber hinaus wechseln 25% der aller IT-Experten jedes Jahr das Unternehmen. Es stellt also auch eine Herausforderung dar, Externe längerfristig an das eigene Unternehmen zu binden. Ein weiterer nicht vernachlässigender Punkt – insbesondere beim Einspannen von externen Software-Entwicklern – ist die Frage nach dem Betriebskonzept, wenn die Externen das Unternehmen nach einem abgeschlossenen Projekt verlassen. Diese Fragestellung gilt es bereits bei der Überlegung, Externe einzubinden, von Anfang an unbedingt zu berücksichtigen.

All diese Punkte muss ein smarter Recruiting-Prozess auf der Auftraggeber-Seite unbedingt berücksichtigen.

Grenzüberschreitende Kooperationen (Nearshoring)

Nearshoring – also das Auslagern von IT-Prozessen ins Europäische Ausland – stellt einen interessanten Mittelweg insbesondere für mittelständische Betriebe dar, denn diese planen tendenziell eher langfristig.

Ost-Europa verfügt traditionell über eine ausgezeichnete Ausbildung in den MINT-Fächern, die sich nach wie vor einem hohen Zulauf erfreuen. Insbesondere in Estland, Rumänien, Tschechien und Polen sind die Anteile der Masterabschlüsse in den MINT-Fächern bezogen auf die Gesamtanzahl der Masterabschlüsse besonders hoch.

Aber auch weitere Faktoren begünstigen das Anbahnen von Kooperationen im Osteuropäischen Ausland. Zu diesen zählen kulturelle Gemeinsamkeiten, die EU-Zugehörigkeit, geringe Zeitverschiebung und zum Teil sogar gute Deutsch-Kenntnisse.

Herausforderungen fürs Recruiting in 2022

Bewerber achten auf mehr als nur das Gehalt

Kultur und Werte des Unternehmens, Berücksichtigung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Möglichkeit zu Homeoffice, Sabbaticals, Fort- und Weiterbildung und dann eben auch die Möglichkeit, sich im Rahmen des Jobs zu engagieren, zum Beispiel mit Corporate Volunteering.

Für Software-Entwickler und technisches Personal ist die technische Umgebung bei dem anwerbenden Unternehmen wichtig. So geben 51,3% der Befragten 65,000 Entwickler in der Stackoverflow Studie aus 2020 an, dass ihnen verwendete Programmier-Sprachen, Frameworks am wichtigsten sind. An zweiter Stelle wird mit 44,5% das Arbeitsumfeld und Unternehmenskultur angegeben, gefolgt von flexibler Zeitaufteilung mit 43,9%. Ebenfalls wichtig mit 41.4% sind persönliche Entwicklungs-Möglichkeiten und mit 33.3% die Möglichkeit, remote zu arbeiten.

Job Priorities – Stackoverflow Studie

HR Prozesse müssen agiler werden

Geschwindigkeit und persönlicher Ansprechpartner – menschlicher Kontakt. Man erwartet eine Reaktion auf die eigene Bewerbung binnen weniger Tage. Wenn überhaupt keine Antwort kommt, empfinden nahezu 80% der Kandidaten das Unternehmen als unsympathisch – für eine weitere Bewerbung kommt dieses Unternehmen dann nicht mehr in Frage.

Stellenanzeigen sollten bestimmte Fragen vorab beantworten

  • Informationen zum Gehalt, Arbeitszeit und zu weiteren finanziellen Leistungen wie Zusatzleistungen und Mitarbeitervorteile
  • Informationen zu Entwicklungsperspektiven
  • Infos zum Unternehmensalltag, der Entstehungsgeschichte des Unternehmens und eine verständliche Formulierung des Sinns oder der Mission des Unternehmens
  • Attraktive Gestaltung der Stellenanzeige

Fazit

Das Besetzen von IT-Stellen bleibt für die HR- und IT-Abteilungen eine herausfordernde Aufgabe, die neue und kreative Wege zum Anwerben von Fachpersonal zu gehen erfordert.

Darüber hinaus werden Unternehmen ohne zusätzliche Personal-Konzepte, wie IT-Outsourcing oder Nearshoring, das erwartete Arbeitspensum im Bereich digitale Transformation nicht erbringen. Denn der IT-Arbeitsmarkt wird nach unserem Dafürhalten auf absehbare Zeit nicht ausreichend IT-Fachkräfte aus dem organischen Wachstum liefern.

Mit welchen Problemen haben Sie als HR-Abteilungen am meisten zu kämpfen?

Wie schaffen Sie es, gutes Personal für Ihr Unternehmen zu gewinnen?

Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Über 3P Consulting

Wir unterstützen Sie bei der Umsetzung neuer Recruiting-Strategien und bei der Suche nach den richtigen Kandidaten. Unser Active Recruiting Ansatz ermöglicht mit individuellem Vorgehen und agiler Vorgehensweise eine erfolgreiche Besetzung mit passenden Kandidaten in kürzesten Zeiträumen. Mit Managed Nearshoring helfen wir Unternehmen ihre IT-Personal-Bedarfslücken dauerhaft mit Partnern aus Ost-Europa zu schließen.

Martin Blaha

Autor

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